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Die Bürden des Heldentums

Marvel/Panini

Marvel/Panini

Schon James Brown hat es hinausgeschrien: „It is a man’s world. But it would be nothing without a woman or a girl.“ Das gilt auch für Superhelden. Was wäre Superman ohne Lois Lane? Was wäre Batman ohne … äh … okay, schlechtes Beispiel. Bei Marvel geht es jedenfalls auf: Was wäre Daredevil ohne Karen Page? Oder Hulk ohne Betty Ross? Spider-Man hat sogar zwei große Lieben: Gwen Stacy und Mary-Jane Watson. Starke Typen brauchen Frauen, die sie in ihren Heldenrollen beschützen und retten, mit denen sie privat die echten Probleme austragen und dadurch verletzlich, ja menschlich erscheinen.

Jeph Loeb und Tim Sale, das Dreamteam, das die großen Epen für Batman (The Long Halloween, Dark Victory) und eines für Superman (For All Seasons) in den 90ern geschaffen hat, wandte sich Anfang des Jahrtausends drei der größten Marvelhelden zu: Daredevil: Yellow, Spider-Man: Blue und Hulk: Gray. So sind drei Mini-Serien entstanden, die nicht wie bei Batman um ausgeklügelte Noir-Krimi-Plots mit einem enzyklopädischen Aufgebot der Rogues Gallery herum gebaut sind, sondern eher einer Hommage, einer Meditation und Schwelgerei wie in der Mini-Serie Superman for All Seasons entsprechen. Nicht die Story steht im Vordergrund, sondern die Charaktere.

Marvels Farbenlehre

Loeb und Sale erzählen hier nichts Neues, sondern frischen das Altbekannte unter einem anderen Gesichtspunkt auf. Bei Daredevil und Hulk werden die Origins aufbereitet, bei Spider-Man der Übergang zwischen Gwen und MJ, als Peter Parker für kurze Zeit zwischen den beiden Frauen stand, bis Gwen ihren grausamen Tod erlitt. Die Titel ergeben sich zum einen aus dem ursprünglichen Farben der Helden: Daredevils Kostüm war zunächst gelb bevor es rot wurde, genäht aus dem Umhang seines Vaters, Hulk war in den ersten Comics grau bevor er grün wurde. Bei Spider-Man war das Blau schon immer Bestandteil des Kostüms, hier allerdings bedeutet blue so viel wie melancholisch.

Der Hauptreiz liegt allerdings im Visuellen. Tim Sale erweist sich erneut als einer der besten Comickünstler, der nicht nur ein großartiges Gespür für Dramatik und Dynamik, sondern auch für Stimmungen hat. Jedes Buch hat seinen eigenen Stil. Mit nur wenigen Strichen erschafft er dynamische Heldenaction und lebensnahe Figuren. Yellow, Blue und Gray gelten als moderne Klassiker und gehören zu den besten Marvel-Storys. Der Verlag hat die drei Bände in einem wunderbaren Hardcover im Überformat gewürdigt.

Marvel

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Jetzt haben Loeb und Sale ihr viertes Farbenbuch, Captain America: White, vollendet. Und auch wenn sie ihre Tugenden beibehalten, brechen sie hier mit der Tradition: Denn dieses Mal geht es nicht um Frauen, um den Gewinn und den Verlust der großen Liebe. Dass Loeb und Sale bei Captain America aber den Verlust von Sidekick Bucky Barnes in den Mittelpunkt stellen, lässt das Verhältnis in einem bestimmten Licht erscheinen, das an Fredric Wertham denken lässt. Jenen wirkmächtigen Psychologen und Comic-Verächter, der Mitte der 50er schon Batman und Robin eine homoerotische Beziehung angedichtet hat. In Captain America: White findet sich davon nichts. Es ist nicht einmal eine Männerfreundschaft zu nennen, sondern eher eine Art Vater-Sohn-Verhältnis oder vielleicht noch eher ein Verhältnis zwischen großem und kleinen Bruder. Der Held, Steve Rogers, leidet an der Schuld des Überlebenden und fragt sich, wie er den Tod seines Schützlings zulassen konnte. Es ist das typische Dilemma, bei dem sich zeigt, dass jugendliche Sidekicks für Superhelden zwar zur Tradition gehören, aber eher der Marketing- als der Storylogik geschuldet sind.

Wie schon bei Spider-Man und Gwen Stacy bleibt die Tragödie der Geschichte ausgespart. Stattdessen erzählt Rogers ein Abenteuer aus der Frühzeit, dem Kriegsjahr 1941. Barnes entdeckt, dass Rogers Cap ist, er wird zum Sidekick Bucky, er rettet Cap bei einem Absturz ins Meer das Leben, indem er dessen Schild von ihm losschneidet – wodurch das Symbol verloren geht. Bei den Frauen erweist sich der kleine Bruder dem großen überlegen: der Kriegsheld zeigt sich zwar furchtlos dabei, Nazis zu verhauen, aber unbeholfen im Intimen. Am Ende kämpfen beide mit ihrer Truppe (Nick Fury und Co.) gegen den Erzfeind Red Skull in Paris.

Eingespieltes Team

Jeph Loeb und Tim Sale ergänzen sich nach all den Jahren immer noch wie ein eingespieltes Team und vollbringen erneut eine Meisterleistung, indem sie mit viel Herz und Humor eine klassische Heldengeschichte erzählen, die vor allem eine Hommage an die ersten Abenteuer der 40er ist. Sales sonst sehr eigenständiger Stil erinnert zuweilen stark an sein Vorbild Jack Kirby, auch wenn er ihn mit einem sehr noiresken Stil verbindet. Dave Stewarts Wasserfarben-artige Farben (wie schon bei Daredevil) bringen die Nostalgie von Propaganda-Plakaten mit sich.

Da kann man über einige Story-Löcher hinwegzusehen, wenn zufällig Namor in der Nähe ist, um Captain Americas Schild aus dem Meer zu fischen und ihm im rechten Moment zuzuwerfen, oder die Frage, wie der Held auf dem Motorrad den Eiffelturm hochfahren kann. Es ist einfach so. Dafür waren Superhelden-Comics schon immer da: das Unmögliche möglich zu machen und dabei gut aussehen zu lassen. Und es macht Spaß: die große Pose, der theatralische Auftritt. Alles, was Superheldencomics immer schon am besten konnten, das wird hier zelebriert.

Die Bedeutung der weißen Farbe

Warum aber der Titel Captain America: White? Die Farben, so erfahren wir im Nachwort, sind mehrdeutig zu verstehen. Daredevil Yellow hatte nicht nur mit dem ersten Kostüm zu tun, yellow heißt im Englischen auf feige – was natürlich zum Mann ohne Furcht ganz gut passt. Spider-Man ist (wie gesagt) blue, also traurig, wegen des Verlusts von Gwen Stacy. Hulk ist die Graustufe als Gegenpol zur Schwarz-weißen Welt von General Ross. Aber die Welt ist nicht so einfach, nicht schwarz und weiß – wie die Wochenvorschauen im Kino, sagt sich Steve Rogers alias Captain America und fragt sich dann doch, ob die Zeit während des Zweiten Weltkriegs im Vergleich zur Gegenwart nicht doch eine einfachere gewesen ist. Die Nazis waren ganz klar die Bösen, die Amerikaner ganz klar die Guten. Schwarz gegen weiß. Vielleicht erklärte sich so der Titel, wenn die Unschuld des Weißen nicht durch den Tod des Gefährten befleckt wäre.

Lupenreine Helden kann es im Krieg nicht geben. Auch wenn sie super sind. Jeder hat seine Bürde zu tragen. Gerade das macht sie menschlich – und damit auch für Normalsterbliche interessant.

>> Jeph Loeb/Tim Sale: Captain America: Weiß, Panini-Verlag 2016.

Heldenblüte #3: Götterdämmerung

Marvel

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Wie Marvel mit seinem Cinematic Universe Schule für Superheldenfilme machte und damit Kinogänger zu Nerds wurden.

Die Goldene Ära des Superhelden-Kinos brachte einige großartige Filme hervor (X-Men, Spider-Man). Aber auch viel Mist. DC hat neben seiner maßgeblichen Batman-Trilogie Superman, Catwoman und The Spirit verhunzt. Marvel ließ dafür Gurken wie Fantastic Four, Ghost Rider und Punisher geschehen. Doch zur Verteidigung muss man sagen: Die Rechte für diese Filme lagen bei anderen Studios. Während The Dark Knight (2008) von DC/Warner zum Kinofilm des Jahres und zum erfolgreichsten Superheldenfilm avancierte, begann Marvel in aller Bescheidenheit mit einem neuen Ansatz. Iron Man bildete den Auftakt zum Cinematic Universe. Statt andere die Adaptionen realisieren zu lassen und dabei das Risiko einzugehen, dass sie es vergeigen, legte nun das hauseigene Studio selbst Hand an. Man kaufte Rechte zurück und investierte damit in eine Goldgrube.

Iron Man hat zwei Helden: Robert Downey Jr., der den charmanten Großkotz Tony Stark so verkörpert, dass man sich keinen anderen mehr vorstellen mag, und ein pfiffiges Drehbuch. Das Beste an diesem Film ist, dass er sich Zeit lässt, die Figur einzuführen. Etwa die Hälfte vergeht bis man Iron Man in seiner Rüstung sieht. Bis dahin macht er im Afghanistan-Konflikt eine Wandlung vom Saulus zum Paulus durch – und hat dabei auch viel zu lachen, ohne dass der Ernst der Geschichte verloren ginge. Das Konzept macht klar, dass es hier nicht um die schnelle Sensation geht, sondern um Charaktere und Story. Der Film, gedreht von dem damals unbekannten Jon Favreau, wurde zum Überraschungserfolg. Iron Man wurde zweimal fortgesetzt. Und es folgten Filme um weitere Helden: ein Neuversuch mit Hulk, der vieles wiedergutmachte, was beim ersten verbockt wurde, ein Film für Thor und einen für Captain America. Während der Donnergott einen Hauch von Shakespeare verliehen bekam, wurde dem altbackenen Supersoldaten ein zeitgemäßer Auftritt zuteil, der elegant den Bogen in die Gegenwart schlägt. Die Filme fielen qualitativ zwar deutlich hinter Iron Man zurück, aber sie erfüllten als Einführungen neuer Charaktere ihren Zweck, sodass – dank geschickter Verknüpfungen – im Jahr 2012 das für unmöglich Gehaltene wahr wurde: The Avengers.

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Heldenblüte #1: Renaissance

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Vor 15 Jahren begann eine Renaissance: Die Superhelden fanden ins Kino zurück – in einer nie dagewesenen Qualität. Was mit X-Men begann, setzte sich mit einer Fülle von Genrefilmen fort und findet heute mit den Avengers einen neuen Höhepunkt. Ein Rückblick auf die vergangenen 15 Jahre.

Polen 1944. Nazis treiben Juden in ein Konzentrationslager. Ein jüdischer Junge wird von seinen Eltern getrennt, sie kommen ins KZ, er mit dem Leben davon. Das Eisentor wird geschlossen, der Junge bleibt zurück und schreit. Wachen halten ihn nur mit Mühe zurück. Die Verzweiflung des Jungen ist so groß, dass sie das Tor verbiegt. Erst ein Schlag mit einem Gewehrkolben bringt ihn zum Schweigen. So beginnt nicht etwa ein Holocaust-Film, sondern der Film X-Men aus dem Jahr 2000. Eine Comic-Adaption über Superhelden. Und diese Szene markiert eine Wende. Sie zeigt: jetzt ist Schluss mit lustig.

Drei Jahre zuvor: In den Kinos läuft Batman & Robin. Nach den beiden Tim Burton-Filmen und dem überdrehten Batman Forever (1995) ist mit dem vierten Teil der Reihe ein Tiefpunkt erreicht, der dagegen noch den albernen und selbstironischen Adam West-Film von 1966 wie einen schicken Oldtimer erscheinen lässt. Der Superhelden-Film, der erst nennenswert mit Superman im Jahr 1978 begonnen hat, scheint am Ende zu sein. Ebenso wie die Superman-Reihe ist auch die Batman-Reihe nach zwei passablen Filmen mit zwei weiteren Fortsetzungen so nachgelassen, dass das Franchise erledigt war. Superhelden waren der Lächerlichkeit preisgegeben. Offenbar traute man ihnen im Kino nicht mehr zu.

Marvel wagt den Neubeginn

Dank der neuen Computer-Technik bekommt das Genre neuen Auftrieb: Den Möglichkeiten sind nur die Grenzen der Fantasie gesetzt. Auf den Trümmern der DC-Filmhelden beginnt Marvel von vorn. Zunächst mit dem Underdog Blade (1998) über einen Vampir als Vampirjäger. Trotz des Trashfaktors ein Gegenprogramm zu Batman & Robin, Erwachsenenunterhaltung – allein schon der Brutalität wegen. Seine unmittelbaren stilistischen Vorläufer findet er in The Crow (1994) und dem missratenen Spawn (1997). Der Superhelden-Film wird aber erst mit X-Men wieder massentauglich. Nicht nur neu belebt, er wird auch ernst, weil er sein Thema und seine Figuren ernst nimmt. X-Men ist eine Parabel auf den Rassismus. Von daher ist es folgerichtig, dass der Bogen vom Holocaust bis in die nicht allzu weit entfernte Zukunft gespannt wird, wenn wieder einmal die Gene die Menschheit spalten. Das Tragische: Mit Magneto wird ein Opfer des Rassismus selbst zum Rassisten. Und während sein Gegenspieler Charles Xavier eine friedliche Koexistenz zwischen Menschen und Mutanten möchte, will Magneto alle zu Mutanten machen, weil sie für ihn die besseren Menschen sind.

Was diesen moralisch schweren Brocken verdaulich macht, ist das Personal: Im Zentrum steht die Freundschaft zwischen Eric Lehnsherr (Magneto, Ian McKellen) und Charles Xavier (Professor X, Patrick Stewart), die sich selbst nach einem Kampf um Leben und Tod zu einer Schachpartie begegnen können. In dieser Beziehung wird deutlich, dass die Grenzen zwischen gut und böse verwischt sind. In dieser Dialektik entfaltet sich das Drama, in dem die jungen Mutantenschüler hin- und hergerissen sind. Den emotionalen Angelpunkt bildet die Figur Wolverine. Er bezieht seinen Reiz daraus, dass er abseits von den Hauptschauplätzen seinen Weg sucht. An den geheimnisvollen Draufgänger, ikonisch verkörpert von Hugh Jackman, kommt kein Charakter heran. Er ist der coolste Typ, der Outlaw und zugleich der comic relief.

Prägendes Original

X-Men bahnte den Weg für die andere Superhelden-Filme. Der Film zeigte, dass es möglich war, Comics glaubwürdig zu adaptieren ohne lächerlich zu wirken, frei nach dem Motto: Mehr schwarzes Leder als gelbes Latex. Es folgte eine Flut von Superhelden im Kino, die bis heute anhält. In den vergangenen 15 Jahren sind mehr Superhelden-Filme erschienen als im gesamten 20. Jahrhundert. Darunter sind auch solche, an die man vielleicht nicht direkt denkt. Zum Beispiel Unbreakable, der im gleichen Jahr wie X-Men erschien und ebenfalls, wenn auch auf eine subtile Art prägend oder zumindest vorausschauend, die weitere Entwicklung des Genres bestimmte.

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Bemerkenswert ist, dass Unbreakable ein Drehbuch ohne Comicvorlage ist, aber durchaus explizit Bezug nimmt auf Comics. Doch während die Zeichnungen als „Kunst“ behandelt und sehr ernst genommen werden, bleibt der Film stilistisch auffällig unauffällig: Ruhig, ohne Aufregung, ohne viel Action inszeniert M. Night Shyamalan (Sixth Sense) eine packende Story um einen Helden wider Willen. Die Referenz auf Comics bleibt auf die wesentlichen Motive reduziert: Der Held mit übermenschlicher Stärke, der körperlich versehrte Schurke, der seinen Gegenpart sucht. Entgegen der Tradition wird auf einen Origin des Helden verzichtet. Damit bleibt der Ursprung der Superkräfte rätselhaft.

Helden wie du und ich

Unbreakable zeigt, dass der moderne Held keine Vorgeschichte, kein Kostüm und keine Symbole braucht. Mit Heroes (2006-2010), einer Art Teenie-Variante der X-Men, wurde diese Vorstellung wieder aufgegriffen. Damit hielten die Helden nicht nur noch stärker in den Alltag einzug, sondern auch ins Fernsehen, und das Prinzip der (potenziell unendlichen) Serie wurde wiederbelebt. Die Filme Hancock (2008) Chronicle (2012) setzten diesen Trend der Helden als „Menschen wie du und ich“ fort.

Doch das bedeutet nicht das Ende der Pop-Ikonen. Der nächste große Wurf aus dem Hause Marvel war Spider-Man im Jahr 2002. So ernst X-Men erschienen war, so kehrte mit Spider-Man die Leichtigkeit ein. Der Film ist eine Action-Komödie über die Adoleszenz – durchaus mit Slapstick-Einlagen, Kalauern und Trash-Elementen. Und doch geht die Rechnung auf. Dank Selbstironie funktioniert die Geschichte, dank Computer-Technik überzeugen die Bilder, wenn der animierte Held Wände hochklettert oder sich durch die Skyline New Yorks schwingt. Aus der radioaktiv verseuchten Spinne wird – ganz zeitgemäß – eine genmanipulierte. Am unterhaltsamsten ist der Film, wenn man Peter Parker bei seiner Entwicklung zusehen darf: Vom Loser zum (Alltags-)Helden. Man kann über die weiteren beiden Teile, vor allem den dritten, sagen was man will: In seinen Stärken bleibt sich die Spider-Man-Reihe bis zum Schluss treu.

Zwischen Coolness und Kunst

Regisseur Sam Raimi hatte bereits 1990 mit Darkman einen erwachsenen Superhelden-Film inszeniert. Auch wenn er heute albern wirkt, wirkt er verglichen mit Tim Burtons Batman für seine Zeit modern. Liam Neeson spielt darin einen entstellten Wissenschafter mit übermenschlichen Kräften, der mit Hut und bandagiertem Gesicht den Rächer spielt und für seine Liebste für ein paar Stunden sein altes Gesicht wiederherstellt. Im Rückblick ist Spider-Man besser gealtert. Nicht bloß der Effekte wegen, sondern auch in erzählerischer Qualität. Der Vergleich zwischen den zwei Filmen zeigt, welcher Evolutionssprung sich in einem Jahrzehnt vollzogen hat.

Doch trotz des starken Anfangs mit drei maßgeblichen Filmen kamen bereits im Jahr 2003 zwei Rückschläge für das junge Genre: Daredevil und Hulk. Beide Filme wollen mehr sein, als sie bieten können. Daredevil will Coolness, Hulk will Kunst. Beides funktioniert nicht. Mit Daredevil präsentiert Marvel seine Batman-Version, einerseits düster, andererseits überzeichnet und dämlich (z.B. den Kampf mit Elektra und der Auftritt von Bullseye). Trotz guter Ansätze bietet der Film keine neuen Ansätze und verspielt somit sein Potenzial, das in der Hauptfigur steckt.

Verheizte Helden

Hulk hingegen strotzt vor Ambition. Marvel hat dafür Ang Lee (Brokeback Mountain!) als Regisseur verpflichtet. Aber das erwies sich als Fehlentscheidung. Lee hat aus der Comic-Adaption einen Comic-Film gemacht: mit unmotivierten Split-Screen-Einlagen und schwachsinnigen Bildübergängen. Darin eingebettet ist eine Story, die zwar auf Charaktere setzt, aber nicht fesselt. Die Actionszenen kränkeln an unausgereifter CGI-Technik und dem Fehlen würdiger Gegner. Stattdessen muss der schlecht animierte Hulk gegen Monsterhunde und Panzer kämpfen. Öde.

Und auch sonst schien dem Genre trotz der aufkommenden Flut an Filmen schnell die Luft ausgegangen zu sein: Fantastic Four, The Punisher, Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen und Catwoman sind nur einige Beispiele für verheizte Superhelden in uninspirierten Filmen. Doch es kam Rettung – und zwar aus der Ecke der Anti-Helden …

Fortsetzung folgt.

Marvel, Civil War und so weiter

Die Liste der Woche: Helden in Civil War
Instagram/Umberto Gonzalez

Instagram/Umberto Gonzalez

Okay, jetzt da Avengers: Age of Ultron langsam verdaut ist, können wir uns auf die nächsten Sensationen aus dem Hause Marvel freuen. Ant-Man steht noch an, er beschließt Phase 2 des Cinematic Universe. Im nächsten Mai beginnt Captain America: Civil War Phase 3; der Dreh hat bereits begonnen. Wie schon festgestellt, wird das ein Film, der so viele Helden enthält, dass man ihn genauso gut „Avengers 3“ nennen könnte (anderswo ist schon von „Avengers 2.5“ die Rede). Hier ist das offizielle Lineup:

  1. Captain America
  2. Iron Man
  3. Hawkeye
  4. Black Widow
  5. Scarlet Witch
  6. War Machine
  7. Falcon
  8. Winter Soldier
  9. The Vision
  10. Ant-Man (kommt am 23. Juli ins Kino)
  11. Black Panther (bekommt seinen eigenen Film 2018)

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Welcome Home, Spidey!

Spider-Man

Endlich ist es offiziell! Spider-Man kehrt nach Hause zurück, zu Marvel, wo er ins Cinematic Universe aufgenommen wird. Sony behält zwar die Rechte und das letzte Wort, aber überlässt die Kreativität den Profis, denen wir schon die Avengers zu verdanken haben. Andrew Garfield wird nicht mehr die Titelrolle spielen. Und das ist auch gut so, denn The Amazing Spider-Man wurde seinem Namen nicht gerecht. Jetzt kann man nur hoffen, dass die Fehler nicht wiederholt werden, etwa dass keine dritte Entstehungsgeschichte erzählt wird.

Das Reboot soll in zwei Jahren in die Kinos kommen: am 28. Juli 2017. Dadurch verschieben sich ein paar der anderen geplanten Marvel-Filme (siehe unten). Wie Variety berichtet, könnte der neue Spidey seinen ersten Auftritt jedoch schon bei Captain America: Civil War (6. Mai 2016) haben. Damit wäre ein wichtiger Charakter in die Story aufgenommen. Phase drei des Cinematic Universe wächst damit auf zehn Filme.

Die neuen Starttermine:

  • Black Panther: 6. Juli 2017
  • Thor: Ragnarok: 3. November 2017
  • Captain Marvel: 2. November 2018

Retter der Kinokassen

Guardians of the Galaxy

Mit Guardians of the Galaxy beschließt Marvel das Superhelden-Kino-Jahr furios. Die Zukunftspläne machen Lust auf mehr – doch zusammen mit den Filmen von DC könnte die gut laufende Geldmaschine der Superheldenfilme ins Stocken geraten. Ein Ausblick auf die nächsten Jahre.

Ein trotteliger Möchtegern-Outlaw, eine grüne Kampf-Amazone, ein Baum-Mensch und ein sprechender Waschbär – das klingt so bescheuert, dass es nur schief gehen kann. Und doch klappt es ganz wunderbar in Guardians of the Galaxy, Marvels neuestem Streich. Vor allem wegen der Selbstironie des Films, der zwar für eine Reihe von Lachern (Sprüche und Situationskomik) gut ist, aber sich immer noch ernst genug nimmt, dass die Figuren nicht der Lächerlichkeit anheim fallen.

Held des Films ist Peter Quill alias „Star Lord“, der in den 80ern als Kind von Aliens entführt wurde und seitdem als Auftragspirat durchs Universum zieht. Als Erinnerung an die Erde dient ihm sein Walkman, mit dem er seit Jahren den Sampler hört, den ihm seine kranke Mutter zusammengestellt hat, bevor sie starb. Diese Musik ist der zweite Pfeiler, der den Film trägt: Pop der 70er Jahre wie The Jackson 5 und 10cc sorgen immer wieder für ironische Brechungen und verleihen dem Film einen bodenständigen Charme. Besonders zum Tragen kommt „Moonage Daydream“, wenn David Bowie aus dem Off zu einem Weltraumflug von Space Invaders singt. Im Grunde war diese Verwendung des Songs längst überfällig, denn Bowies Ziggy Stardust-Album wurde dafür geschaffen, der Soundtrack zu einer Weltraum-Saga zu sein.

Der Rest ist Weltraum-Effekte-Spektakel vom Feinsten: Eine bunte Effektschlacht (mit wieder einmal mäßigem 3D-Effekt), bei der es um nichts Geringeres als das Wohl des Universums geht. Gute Typen gegen tiefböse Fieslinge. Doch eigentlich sind die Guardians keine Superhelden. Vielmehr funktioniert der Film nach bewährter Science-Fiction-Manier in der Tradition von Star Wars, nur mit Han Solo-Schwerpunkt. Allerdings hat George Lucas nie so pfiffige Dialoge geschrieben – und war schon gar nicht für solche überraschende Wendungen gut. Insofern heben die Guardians die altbackene Science-Fiction-Saga in neue Sphären. Dafür gab’s Applaus im Kino-Saal.

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Alles andere als amazing

Amazing Spider-Man

Der Film The Amazing Spider-Man 2 bietet zwar großes Spektakel, bleibt aber wie sein Vorgänger ein sehr durchschnittlicher Superheldenfilm, der sich zu sehr auf Altbewährtes und Klischees verlässt.

ACHTUNG: SPOILER!!!

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