Stanley Kubrick

Odyssee durchs Wurmloch

interstellar

Man nehme Kubricks 2001, füge die Essenz von Zemeckis‘ Contact hinzu und garniere das Ganze mit Boyles Sunshine – dann hat man Nolans Interstellar. Ein Drei-Stunden-Schinken über eine Odyssee von Weltraumfahrern, die eine neue Heimat für die Menschheit suchen, weil die Erde eingeht. Man könnte auch sagen, es gehe um einen alleinerziehenden Vater, der für die Sicherheit seiner Kinder sorgt. Oder: Eine Pionierfahrt zum Zwecke der Landnahme angesichts der drohenden Apokalypse. Und wie so oft verlangt Nolan seinen Zuschauern überdurchnschnittlich viel Geisteskraft ab. Dieses Mal sollte man einmal Einstein oder Hawking für Dummies querlesen, damit man das mit der Relativität und Wurmlöchern auf die Reihe kriegt, um da durchzusteigen. Aber das ist nur der pseudowissenschaftliche Anspruch. Ähnlich wie bei Batman Begins versucht Nolan zwar, das Fantastische möglichst glaubwürdig zu machen. Aber hier sind die Erklärungen so abgehoben, dass der Normalzuschauer ohnehin nicht folgen kann – und auch nicht muss. Denn zum Schluss machen es sich die Brüder Nolan allzu einfach mit der Lösung des Rätsels und bemühen (ACHTUNG SPOILER!!!) die gute alte Zeitschleife (und damit eine Paradoxie), um ihrer Story einen halbwegs interessanten Twist zu verleihen.

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Liebe ist kein Betriebssystem

Her

„Hallo? Ist da jemand, der mich lieb hat?“ Eine solche Monitorposition kann zu Haltungsfehlern führen.

Nach Being John Malkovich und Adaption sorgt Spike Jonze mit seinem neuen Film Her für Hochgesänge bei Publikum und Kritik. Doch leider hält das Werk nicht, was es verspricht. Es ist nicht mehr als eine lahme Schnulze ohne Substanz geworden. Schade eigentlich.

Es wirkt paradox, fast schon unheimlich: Eigentlich sollte bei einem Rechner alles programmiert, alles festgelegt sein, und doch scheint es manchmal so, als hätten sie ein Eigenleben, als würden sie nicht das tun, was man ihnen sagt, sondern als hätten sie ihren eigenen Willen. Stanley Kubrick hat das mit dem Supercomputer HAL im Film 2001 – Odyssee im Weltraum (1968) gezeigt. Nicht nur, dass diese Maschine mit ihrer sanften Stimme plötzlich anfängt, die menschlichen Crewmitglieder abzumurksen, um die Mission zum Jupiter nicht zu gefährden, am Ende, kurz vor dem Abschalten, spricht HAL von Angst, wirkt kindlich, singt zum Schluss sogar „Hänschenklein“ … – gespenstisch. Drei Jahrzehnte später schaffte es Steven Spielberg (basierend auf einem Kubrick-Drehbuch), mit A.I. (2001) einen Roboterjungen zu schaffen, bei dem es wehtut zuzusehen, wenn seine ‚Adoptivmutter‘ ihn im Wald aussetzt.

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