superman

Supermans wahrer Ursprung

Carlsen Verlag

Superman ist in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden. Eine Erfolgsgeschichte, denn er war nur der erste, auf ihn folgten unzählige andere. Die Geschichte seiner Schöpfer ist weniger glorreich: Während der Verlag DC Comics (früher National) viel Geld mit dem Superhelden und seiner Gefolgschaft verdiente, verarmten der Autor Jerry Siegel und der Zeichner Joe Shuster, gerieten in Vergessenheit.

Während jeder weiß, wie Superman auf die Erde kam und wer er wirklich ist, blieben seine wahren Schöpfer vier Jahrzehnte lang im Schatten, sie wurden von anderen, wechselnden Autoren und Künstlern abgelöst. Aber Superman stammt nicht von Krypton, sondern aus Cleveland. Nun erzählen Julian Voloj und Thomas Campi diese Geschichte als Comic, aus der Perspektive des Künstlers: Joe Shuster: Vater der Superhelden (engl. The Artist behind Superman: The Joe Shuster Story).

Die Story beginnt im Jahr 1975 auf einer Parkbank. Da liegt Joe Shuster, er ist obdachlos, als er von einem Polizisten angesprochen wird. Ihm erzählt er seine Leidensgeschichte. Wie er als Teenager den Science-Fiction-Nerd Jerry Siegel in der High School traf, wie sie gemeinsam Comics entwickelten. Aller Anfang war schwer: Superman war zunächst noch ein Schurke, erst später wurde er zum Helden – aber auch da wollte zunächst kein Verlag den Comic drucken.

Als dann endlich 1938 National Superman akzeptiert, freuen sich die beiden Freunde über den Auftrag, der ihnen dank des großen Erfolgs ein regelmäßiges Einkommen und bescheidenen Wohlstand beschert. Doch schon bald wird klar: Sie haben mit dem ersten Gehaltsscheck auch die Rechte an Superman abgetreten. Nach dem Zweiten Weltkrieg klagen sie gegen den Verlag. Und verlieren ihre Jobs. Sie verschulden sich im Rechtsstreit. Schließlich akzeptieren sie eine Abfindung, aber lange reicht das Geld nicht.

Joe Shuster verdingt sich mit Schundzeichnungen, Jerry Siegel wird Postbote, später darf er noch einmal zum Verlag zurück, erniedrigt nimmt er den Job an, in den 60ern geht er zur Konkurrenz Marvel, wo er auch nicht glücklich wird – der Autor des Golden Age ist zu altmodisch für die neue Ära. Der Niedergang der beiden geht so weit, dass sie in den 70ern Mietschulden haben und sich keine Gesundheitsversorgung leisten können.

Die Wende kommt erst 1975, nachdem Warner den ersten großen Superman-Film angekündigt hat. Siegel schreibt einen Brandbrief, in dem er das Unrecht anprangert, das ihm und seinen Freund widerfahren ist: „Ich verfluche den Superman-Film!“ Er ruft zum Boykott auf. Der Brief beschert ihm Aufmerksamkeit in der Comicwelt – erst danach gesteht ihnen Warner nicht nur eine Rente zu, sondern auch die Namensnennung als Schöpfer.

Der Comic erzählt das alles sehr packend und kurzweilig, aber er lässt sich auch Zeit für nicht unwichtige Nebenaspekte: Wie Siegel um seine Schöpfung Superboy beraubt wird, aber auch wie der angebliche Batman-Schöpfer Bob Kane sie an den Verlag verrät, um selbst Profit daraus zu schlagen, von den sinistren Hintergründen der Verleger. (Siegel hasst übrigens Batman, der eigentlich ein Abklatsch von Superman ist.) Man merkt: Autor Voloj hat gut recherchiert. Im Nachwort erklärt er, dass er sich auch in Cleveland umgesehen hat und sogar Zugriff auf bis dato unbekannte Dokumente von Joe Shuster hatte.

Der Künstler Thomas Campi (Magritte: Dies ist keine Biografie) macht die Geschichte erst lebendig. Seine warmen, gedeckten Farben und aufs Wesentliche reduzierte Figuren lassen die Panels wie Edward Hopper-Gemälde wirken.

Ärgerlich ist das furchtbare, teilweise nur schwer lesbare Lettering in der deutschen Ausgabe, aber auch die Übersetzung, die der Autor selbst vorgenommen hat. So ist zum Beispiel ständig von „Comicbüchern“ (engl. comic books) die Rede, während Comichefte gemeint sind und es ganz einfach das Wort „Comics“ auch getan hätte. Aber das sind Kleinigkeiten.

Viel wichtiger ist die Frage, warum das Buch nur Joe Shuster im Titel trägt, obwohl Jerry Siegel ebenso wichtig ist und er auch fast genauso viel Aufmerksamkeit im Buch bekommt. Und der deutsche Untertitel „Vater der Superhelden“ wirkt umso anmaßender, weil er Siegel völlig außer Acht lässt. Bei dem Batman-Schöpfer Bill Finger wäre so ein Vorgehen eher nachvollziehbar, weil er den größeren Anteil hatte als Bob Kane. (Aber das ist eine andere Geschichte.)

Insgesamt aber bleibt Joe Shuster eines der gelungeneren biografischen Comics, mit denen die Verlage derzeit den Markt fluten. Nicht nur Superman-Fans sollten es gelesen haben.

>> Julian Voloj/Thomas Campi: Joe Shuster: Vater der Superhelden (engl. The Artist behind Superman: The Joe Shuster Story), Carlsen 2018.

Superman im Batman-Projekt:

Heldenblüte #4: Reinkarnationen

20th Century Fox

X-Men: Alt und neu (20th Century Fox)

Superman, Spider-Man, X-Men, Fantastic Four – die vierte Strömung des Superheldenkinos gehört den Reboots.

Was tut man, wenn eine Geschichte zu Ende erzählt wurde? Man fängt wieder von vorn an. Elf Jahre nach dem ambitionierten Start von X-Men war man soweit. Zu der Trilogie gab es zunächst ein uninspiriertes Prequel zu Wolverine, schließlich erzählte man auch die Vorgeschichte der Hassliebe zwischen den Antipoden Charles Xavier (Professor X) und Eric Landsherr (Magneto). X-Men: Erste Entscheidung (2011, First Class) war ein frischer Neubeginn: kurzweilig, unterhaltsam und mit einer guten Portion 60er-Zeitgeist. Ein vernachlässigter Charakter wie Raven kam endlich zu ihrem Recht, aber wie schon zuvor war die spannungsreiche Freundschaft zwischen Charles und Eric der rote Faden, der die Story zusammenhielt: der impulsive Rächer an den Nazis gegen den besonnenen Denker und Versöhner. Mit der Fortsetzung, Zukunft ist Vergangenheit (2014, Days of Future Past) kehrte Regisseur Bryan Singer zurück und verschränkte die Zeitebenen der ersten Trilogie mit der Prequel-Reihe, als Bindeglied diente Wolverine, der in seinem Körper der 70er Jahre Schlimmeres verhindern musste. Damit fand die X-Men-Reihe zu ihrer alten Stärke und Brisanz zurück.

Auch Spider-Man bekam ein Reboot – und zwar kein weiches wie die X-Men, sondern einen totalen Neustart. Gerade einmal zehn Jahre nachdem Sam Raimi mit dem ersten Spider-Man-Film Pionierarbeit geleistet hat, wurde mit The Amazing Spider-Man (2012) die Entstehungsgeeschichte wieder erzählt. Die Tatsache, dass die erste Trilogie noch nicht lange her und noch in guter Erinnerung war, sorgte für einen Déjà-vu-Effekt, der die Existenzberechtigung des Films infrage stellte. Zu vieles hatte man fast genauso schon einmal gesehen. Es werden bloß zwei neue Akzente gesetzt: Peters Liebesleben beginnt – wie in den Comics – mit Gwen Stacy und erstmals spielt auch der Tod von Peters Eltern eine Rolle. Doch die Aufdeckung des dahinter stehenden Mysteriums, das die Rahmenhandlung für eine neue Filmreihe bilden sollte, hat sich erübrigt: Nach einem schwachen, geradezu lächerlichen zweiten Teil (Rise of Electro) wurde der Amazing Spider-Man seinem Namen nicht gerecht und damit eingestellt. Erst in diesem Jahr hat Rechteinhaber Sony zugestimmt, dass der beliebteste Marvel-Held in das Cinematic Universe integriert werden soll. Mit neuer Besetzung wird Spider-Man bereits in Captain America: Civil War vorkommen, danach soll ein Solo-Film folgen. Doch auch wenn Marvel aus den Fehlern gelernt hat und keinen Origin mehr erzählen will, wird die Geschichte wieder im High School-Milieu spielen, Peter wird wieder ein Teenager sein. Es wird nicht leicht sein, dieses verfahrene Franchise wieder auf Kurs zu bringen.

Im gleichen Jahr wie The Amazing Spider-Man versuchte sich auch Warner erneut an der Galionsfigur von DC Comics: Superman. Eine ohnehin schwierige Figur, weil sich schon längst die Frage stellt, ob ein perfekter, unverwundbarer Alleskönner in Primärfarben-Pyjamas noch zeitgemäß ist. Die TV-Serie Smallville bewies, dass es möglich war, wenigstens die Jugend des Helden über zehn Staffeln zu erzählen. Im Jahr 2006 passierte aber etwas sehr Befremdliches: Bryan Singer verließ die X-Men, um einen Superman-Film zu drehen, der an Superman II mit Christopher Reeve anschloss – also die Fortsetzung eines 26 Jahre alten Films, der bereits zwei schlechte Fortsetzungen hatte. Statt also von den Errungenschaften von Batman Begins zu lernen, versuchte Singer sich mit Superman Returns in Nostalgie. Er scheiterte total. Die Geschichte von Supermans Sohn mit Lois Lane war die weichgespülte Familienvariante des Mannes aus Stahl. Der Film war so lahm, dass man ihm keine Fortsetzung gönnte (obwohl die Kritiken in den USA überwiegend positiv waren und zunächst ein Sequel angekündigt war). Man hatte eingesehen, dass dieser Ansatz nicht funktionierte.

Sechs Jahre später kam also das radikale Reboot Man of Steel von Zack Snyder. Der Mann, der sich an den Watchmen versucht hatte, fing mit Superman noch einmal von vorn an – unter dem Einfluss von Christopher Nolan. Doch was sich nach einem Qualitätsgaranten anhört, wurde zum Problem: Man of Steel orientiert sich in Stil und Aufbau zu sehr an Batman Begins und The Dark Knight, sodass wir statt satter Primärfarben einen dunkelgrauen Superman sehen, der in einen grauen Himmel fliegt. Das entspricht der übrigen Stimmung des Films. Zu lachen gibt es so gut wie nichts. Zu düster ist die Geschichte, aber sie lässt einen emotional unbeeindruckt. Größter Tiefpunkt ist die überzogene Zerstörungsorgie im Finale, bei der halb Metropolis zerlegt wird. So viel fehlendes Verantwortungsbewusstsein ist nicht gerade, was man sich von einem erhabenen Helden wie Superman verspricht. Der Film pulverisiert sich selbst und lässt nichts zurück als Trümmer.

Aber wenn man sich den Trailer zum Sequel, Batman v Superman, ansieht, stellt man fest, dass eine gealterte Version von Bruce Wayne das auch so sieht und deshalb wieder ins längst abgelegte Batman-Kostüm (oder eher in eine Rüstung) steigt, um den selbstherrlichen Kryptonier auszuschalten. Die Nähe zu den Comics (allen voran The Dark Knight Returns) ist offensichtlich, auch die Kritik am Farbkonzept scheint Regisseur Snyder berücksichtigt zu haben. Alle Hoffnung – auch von Warner – ruht auf diesem Film. Denn er muss das Unmögliche leisten: Nicht nur einen glaubhaften Kampf der Titanen inszenieren, sondern auch den zwiespältig aufgenommenen Man of Steel wiedergutmachen und Batman neu einführen. Zugleich soll der Film auch der Beginn der Justice League sein. Wonder Woman wird darin eine Schlüsselrolle bekommen, auch Aquaman und Cyborg sollen darin Auftritte haben. Damit will Warner für das DC-Universum nachholen, was Marvel mit seinem Cinematic Universe seit bereits 2008 aufbaut. Weitere Einzelfilme sollen folgen, von Flash bis Shazam. Auch Green Lantern wird ein Reboot zuteil, nachdem der erste Versuch von 2011 ein belangloses Ergebnis hervorbrachte, von dem man nach dem Sehen nur noch sagen kann, dass es sehr grün zuging. (Ryan Reynolds wird dafür zu Deadpool, ebenfalls ein Figuren-Reboot.) Im kommenden Jahr wird in dem Schurkenfilm Suicide Squad auch ein neuer Joker (Jared Leto) eingeführt – er tritt in große Fußstapfen, die Heath Ledger hinterlassen hat.

Zuletzt bekam auch Marvels Fantastic Four (2015) einen Reboot – zehn Jahre nach dem jüngsten. Der war bitter nötig, wenn man bedenkt, dass einst mit dem Superheldenteam Marvels Silver Age begann und schon zwei schwache Verfilmungen gescheitert waren, dem Stoff gerecht zu werden (ganz zu schweigen von dem Billigfilm von 1994, der zwar gedreht, aber nie veröffentlicht wurde). Nach diesen Fehlschlägen konnte es nur noch besser werden. Und es sah zunächst so vielversprechend aus: Eine talentierte, junge Besetzung, einen neuen Ansatz und Regisseur Josh Trank, der zuvor mit Chronicle einen beachtlichen Film über alternative Superhelden ohne Kostüme gedreht hatte. Doch das Ergebnis war eine Katastrophe, für die sich hinterher alle Beteiligten schämten und das Publikum fassungslos zurückließ, fassungslos gelangweilt und verärgert. Mit gerade einmal zehn Prozent positiver Besprechungen bei Rotten Tomatoes und einer IMDb-Wertung von 4,3 unterbot das Reboot sogar noch seine mäßigen Vorgänger. Wer auch immer an dem Desaster Schuld hat: Das Franchise ist für lange Zeit ruiniert.

Der Reiz des Reboots, des Neuanfangs, besteht im Reiz des Anfangs. Oftmals sind es die Entstehungsgeschichten, die sogenannten Origins der Helden, die im kulturellen Gedächtnis hängenbleiben: Der Elternmord bei Batman, der Spinnenbiss bei Spider-Man, die Zerstörung Kryptons bei Superman. Unfälle, Katastrophen und Traumata bestimmen den Gründungsmythos – und davon zehren die Figuren. Die Menschen erkennen sie darin nicht nur wieder, sondern identifizieren sich auch immer wieder neu mit ihnen. Doch Superheldenstoffe sind seriell angelegt, sie gehen immer weiter. Das stellt die Autoren und Regisseure vor das Problem, dass sie sich immer weiter von der Urszene, die die Helden als Charaktere interessant macht, entfernen. Daher müssen sie immer wieder an den Ursprung erinnern – oder ihn einfach neu erzählen. Der Neubeginn ist verführerisch, doch die Beispiele der vergangenen Jahre zeigen, dass es keinen Erfolgsgaranten gibt, wenn man dieser Versuchung nachgibt.

Die Zyklen der Wiederverwertung werden kürzer. Aber die Erinnerung der Zuschauer wird es nicht. Daher wird es nicht reichen, ihnen immer wieder dasselbe vorzusetzen und sich nur nach der Logik „mehr ist besser“ zu steigern. Noch ist die Nachfrage des Publikums nach Superheldenfilmen ungebrochen. Nach wie vor haben Marvels Filme großen Erfolg, allein die beiden Avengers-Teile haben jeweils über eine Milliarde Dollar weltweit eingespielt. Allerdings besteht die Gefahr, dass bei der Flut an Superheldenfilmen das Interesse an dem Genre bald wieder abflauen könnte. Allein für 2016 sind sieben Filme über Marvel- und DC-Charaktere angekündigt: Batman v Superman, Suicide Squad, X-Men: Apocalypse, Deadpool, Gambit, Captain America: Civil War und Doctor Strange. Nicht einmal alle zwei Monate ein neuer Film. Zudem werden die Geschichten komplexer: Marvels Cinematic Universe ist jetzt schon für Quereinsteiger schwer nachzuvollziehen. Das Publikum wird immer stärker gefordert. Interessant, so etwas ausgerechnet über ein Genre zu sagen, das dem ersten Anschein nach leichte Unterhaltung sein soll. Solange die Macher nicht hinter die Erkenntnis zurückfallen, welches Potenzial in ihren Geschichten steckt, kann man sich noch viele weitere Leinwandspektakel freuen. Die Blüte der Superhelden im Kino scheint noch lange nicht vorbei zu sein.

Frankfurter Fragmente #9: Leaks

Foto: Lukas Gedziorowski

Foto: Lukas Gedziorowski

Vor der Schirn Kunsthalle in Frankfurt hat der US-amerikanische Künstler Doug Aitken eine Installation aufgebaut. Unten ist ein großes kreisförmiges Becken inmitten eines Haufens von Steinen, Schutt und Sand. Darüber schwebt eine quadratische Vorrichtung aus Rohren und Düsen. Daraus kommt Wasser: mal tropft es, mal schüttet es. Der Schall wird von Mikrofonen im Becken in Lautsprecher übertragen, sodass Echo-Effekte entstehen. Wie das bei Kunst so ist, kann man sich viel dabei denken. Für mich ist die Installation eine Allegorie auf ein Phänomen der Informationskultur. Das Phänomen der Leaks. Ständig tröpfeln Daten unterschiedlicher Quellen in das große, unersättliche Sammelbecken des Internets, mal mehr, mal weniger, aber konstant füllt es sich, ohne je überzuschwappen, und auf jeden Aufprall folgt ein gesteigertes Echo.

Informationen sind längst nichts Besonderes mehr. Leaks ragten zunächst aus der Masse raus, schienen an die Stelle der Scoops zu treten. Bevor sich traditionelle Medien auf Storys stürzten, war alles schon im Netz zu lesen. Als Wikileaks Geheimdokumente enthüllte, wurde das als die Freiheit der Internetguerillas gefeiert. (Dann kam Edward Snowden und er zeigte uns, dass unsere Rechner nicht bloß lecken, sondern ständig abgeschöpft werden – die dunkle Kehrseite des Internets.) Nichts ist mehr sicher vor dem Zugriff der Hacker, Hacktivisten und Whistleblower. Aber Leaks sind mittlerweile an der Tagesordnung, vor allem als kulturelles Phänomen inflationär. Leaks sind Ausdruck der Informationsgier und der Ungeduldigen. Wir wollen alles sofort haben, und immer schneller. Nachdem die ersten vier Folgen der fünften Staffel von Game of Thrones im Netz waren bevor sie auf HBO ausgestrahlt wurden, schrieb David Denk für die Süddeutsche: „Das Unbezahlbare am Leak ist, dass er das betroffene Kunstwerk mit der Aura des Begehrten auflädt, und zwar ganz egal, wie gelungen oder vergeigt es tatsächlich ist. Immerhin hat sich jemand die Mühe gemacht, es zu stehlen.“ Aber der Autor übersieht, dass Game of Thrones, genauso wie Superhelden-Blockbuster, diese Aufladung nicht nötig haben. Sie werden geleakt, weil sie bereits begehrt werden.

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Retter der Kinokassen

Guardians of the Galaxy

Mit Guardians of the Galaxy beschließt Marvel das Superhelden-Kino-Jahr furios. Die Zukunftspläne machen Lust auf mehr – doch zusammen mit den Filmen von DC könnte die gut laufende Geldmaschine der Superheldenfilme ins Stocken geraten. Ein Ausblick auf die nächsten Jahre.

Ein trotteliger Möchtegern-Outlaw, eine grüne Kampf-Amazone, ein Baum-Mensch und ein sprechender Waschbär – das klingt so bescheuert, dass es nur schief gehen kann. Und doch klappt es ganz wunderbar in Guardians of the Galaxy, Marvels neuestem Streich. Vor allem wegen der Selbstironie des Films, der zwar für eine Reihe von Lachern (Sprüche und Situationskomik) gut ist, aber sich immer noch ernst genug nimmt, dass die Figuren nicht der Lächerlichkeit anheim fallen.

Held des Films ist Peter Quill alias „Star Lord“, der in den 80ern als Kind von Aliens entführt wurde und seitdem als Auftragspirat durchs Universum zieht. Als Erinnerung an die Erde dient ihm sein Walkman, mit dem er seit Jahren den Sampler hört, den ihm seine kranke Mutter zusammengestellt hat, bevor sie starb. Diese Musik ist der zweite Pfeiler, der den Film trägt: Pop der 70er Jahre wie The Jackson 5 und 10cc sorgen immer wieder für ironische Brechungen und verleihen dem Film einen bodenständigen Charme. Besonders zum Tragen kommt „Moonage Daydream“, wenn David Bowie aus dem Off zu einem Weltraumflug von Space Invaders singt. Im Grunde war diese Verwendung des Songs längst überfällig, denn Bowies Ziggy Stardust-Album wurde dafür geschaffen, der Soundtrack zu einer Weltraum-Saga zu sein.

Der Rest ist Weltraum-Effekte-Spektakel vom Feinsten: Eine bunte Effektschlacht (mit wieder einmal mäßigem 3D-Effekt), bei der es um nichts Geringeres als das Wohl des Universums geht. Gute Typen gegen tiefböse Fieslinge. Doch eigentlich sind die Guardians keine Superhelden. Vielmehr funktioniert der Film nach bewährter Science-Fiction-Manier in der Tradition von Star Wars, nur mit Han Solo-Schwerpunkt. Allerdings hat George Lucas nie so pfiffige Dialoge geschrieben – und war schon gar nicht für solche überraschende Wendungen gut. Insofern heben die Guardians die altbackene Science-Fiction-Saga in neue Sphären. Dafür gab’s Applaus im Kino-Saal.

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Helden in der Krise

Filmsuperhelden 2013 (Collage: Gedziorowski)

Filmsuperhelden 2013 (Collage: Gedziorowski)

Sehen Sie sich einmal die obere Collage genau an. Was fällt Ihnen auf? Genau: Eine gewisse Ähnlichkeit, Parallelen, ja, man könnte fast sagen: Austauschbarkeit. Nun gut. Wir bewegen uns im Genrefilm. Dem Superheldengenre. Wer sich darauf einlässt, weiß, was ihn erwartet. Aber die Bilanz der diesjährigen Filme ist erschreckend schwach. Ebenso wie seine Helden zeigt das Genre Krisenerscheinungen. Ein Rückblick und ein Ausblick.

Alle Hoffnungen ruhten auf Thor – Gott, Alien, Superheld. Nach einer Einführung mit einem passablen ersten Abenteuer und einer bestandenen Bewährungsprobe bei den Avengers konnte es nun richtig losgehen. Doch die Fortsetzung The Dark World (auf „deutsch“: The Dark Kingdom) hat leider keine Begeisterungsstürme ausgelöst. Zu Recht: Der Film, mehr Fantasy- als Superheldengenre, vermag nur wenig zu fesseln. Die Handlung hetzt ähnlich wie im ersten Teil schnell voran, Spannung kommt bei dem konventionellen Plot kaum auf. Auch der Versuch, den Weltenkonflikt nach London auf die Erde zu holen, wirkt unbeholfen. Das können auch die prächtigen, effektgeladenen Aufnahmen nicht ausgleichen.

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