webcomic

Der Charlie Brown von Star Trek

Jon Adams

Jon Adams

Jeder hat seinen Lieblings-Star-Trek-Charakter. Aber ganz bestimmt niemand mag Chief O’Brien von The Next Generation. Der Mann ist der Inbegriff der Nebenfigur: Er steht meistens bloß im Transporterrraum, beamt Leute von hier nach da und sagt höchstens mal „Aye, Sir“. (Die wenigen Sprechszenen sind nicht der Rede wert und schnell vergessen.) Und schon so mancher Fan hat sich gefragt: Was macht Chief O’Brien den ganzen Tag? Jedes Mal, wenn die Tür zum Transporterraum aufgeht, tippt er zwar fleißig auf seinem Kontrollpanel herum, aber das sieht ziemlich nach simulierter Arbeit aus. Aber vor allem: Was tut er die meiste übrige Zeit, wenn niemand den Transporter nutzt?

Der Designer und Illustrator Jon Adams hat es sich ausgedacht und daraus den Webcomic Chief O’Brien at Work gemacht, der nun auch gedruckt erscheinen soll. In Zehn-Panel-Strips sehen wir den tristen Chief in seiner senfgelben Uniform in einem grauen Transporterraum vor seinem grauen Panel stehen und – nichts tun. Er hat höchstens drei Gesichtsausdrücke: Den verwunderten, den Ansatz eines glücklosen Lächelns, die meiste Zeit aber den ausdruckslosen. Und er hat nur eine Körperhaltung: hängend.

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Privatschnüffler gegen Privatschnüffelei

Panel Syndicate

Panel Syndicate

Stellen wir uns eine Zukunft vor im Jahr 2076 – ohne Internet. Denn die Cloud ist zerstört: Eines Tages kam die große Datensintflut, 40 Tage lang regneten die Daten ungehindert auf die Menschen ein, alles war für jeden sichtbar. Freundschaften, Beziehungen und Familien wurden zerstört, weil Geheimnisse offengelegt wurden. Im Jahr 2076 hört man wieder Schallplatten und Kasetten statt MP3s. Man schaut wieder mehr fern. Und man wird nicht ständig beobachtet. Im Gegenteil: Die Privatsphäre ist so wichtig, dass sich jeder eine Geheimidentität zulegt und auf der Straße mit einer (oft bizarren) Maske herumläuft. Die Polizei ist hier zugleich die Presse, Journalisten sind Ermittler, inklusive Trenchcoat und Fedorahut. Die beste Nachricht: Es werden wieder Zeitungen verkauft.

Dieses bunte, groteske Szenario bestimmt das Bild von The Private Eye, dem digitalen Comic von Brian K. Vaughan und Marcos Martin, das mit dem Eisner Award 2015 ausgezeichnet wurde – und zwar zurecht. Denn der Comic hat nicht nur einen originellen Ansatz (sogar mit großer Aktualität), sondern ist auch hervorragend gemacht. Knallbunte Farben, lebendige Figuren, pointierte Dialoge und eine dynamische Bildsprache, die die Möglichkeiten des (analogen!) Mediums nutzt, sind die Qualitäten, die diese zehnteilige Story ausmachen. Und das Schönste: die Künstler vertreiben ihr Werk selbst und man kann dafür bezahlen, was man will – von nix aufwärts. Jeder Cent geht direkt an die Künstler, ohne Prozente für Handel, Vertrieb oder Verlage.

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