wim wenders

Berliner Fragmente #40: Diaschau

Foto: Lukas Gedziorowski

Foto: Lukas Gedziorowski

Einen Film über einen Fotografen zu machen, ist kein leichtes Unterfangen. Da ist zum einen das Problem zweier Medien, die man miteinander vereinbaren muss, obwohl sie anders funktionieren: Ein Film über Fotos wird schnell zur kommentierten Diashow. Und wenn man den Fotografen bei der Arbeit zeigt, läuft man Gefahr, dass der Gefilmte mit seiner Kamera zurückschießt. So macht der Fotograf die Doku über ihn zu einem Making-of.

Wim Wenders hat es trotzdem gewagt, eine Doku über Sebastiao Salgado zu drehen, den brasilianischen Fotografen, der seit Jahrzehnten die Welt bereist und ihre schönsten und abstoßendsten Seiten festgehalten hat. Das Salz der Erde ist nach dem Spielfilm Palermo Shooting (2008) Wenders zweiter Film über einen Fotografen. Salgado, Jahrgang 1944, arbeitete zunächst als Ökonom, bevor er 1973 als Profi-Fotograf anfing. In seinen Bildern dokumentierte er Arbeiter in brasilianischen Goldminen, die indigenen Völker Lateinamerikas sowie Flüchtlinge und Darbende in Afrika.

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Auf der Suche nach Romantik und Poetik

Unscharfe Romantik

Drei Abende Romantik und einen Abend Daniel Kehlmann – unser Autor hat sich in dieser Woche die volle Dröhnung Poesie gegeben. Doch leider waren die Erträge gering, die Romantik im Literaturhaus kam zu kurz, auch nach Poetik musste man suchen.

„Was wir suchen, ist alles.“ – Ein hoher Anspruch für ein Literatur-Festival. Aber auch ein naheliegender, denn immerhin geht es um Romantik, also die Epoche und Geistesströmung, in der es nicht um weniger ging: Universalpoesie, progressiv und transzendental,  jeder mit jedem, alles mit allem – und davon bitte nicht zu knapp – eierlegende Wollmilchsäue. Aus dem Projekt wurde nix, nix als lauter Trümmer, Angefangenes ohne Ende, ein Haufen Papier und eine deutsche Affäre, die bis heute nachwirkt. Aber gut – genug der Geschichtsstunde, wir schauen nach vorne, Romantik heute, jawoll, es geht mal wieder um alles, also alles bitte noch mal von vorn, jetzt aber richtig.

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Beinahe romantisch

DJ Wim Wenders beim Romantik-Festival in Frankfurt (Foto: Lukas Gedziorowski)

DJ Wim Wenders beim Romantik-Festival in Frankfurt (Foto: Lukas Gedziorowski)

Frankfurt ist im Romantik-Fieber: Nach der Diskussion um das Romantik-Museum am Goethe-Haus hat es in einem Jahr zwei Kongresse zur Romantik gegeben, nun findet ein drittes im Literaturhaus statt. Am Samstag hat Regisseur Wim Wenders das Festival mit einem Bekenntnis eröffnet, warum er ein Romantiker ist – und sich dabei als Realist entlarvt. Bei der Diskussion im Anschluss stellte sich heraus, dass die Romantik noch heute präsent ist. Wer Romantik sucht, der findet sie auch.

„I’m a hopeless german romantic“, soll Wim Wenders geantwortet haben, als man ihn danach fragte, warum er seinen Film Paris, Texas (1984) so und nicht anders gedreht habe. Dieser Satz, den er nur „dahergesagt“ habe, ohne nachzudenken, habe ihm „lange nachgehangen“, sagte der Regisseur am Samstagabend im Literaturhaus Frankfurt, nun müsse er sich entweder dazu bekennen oder das Gegenteil behaupten – und letztendlich sei das überhaupt der Grund, warum er hier sei, beim Romantik-Festival „Was wir suchen, ist alles“. Oder, wie Wenders es ausdrückte, bei der Versammlung der „romantics anonymous“.

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