woody allen

Kant und Cyankali

Irrational Man

Sony Pictures Classics

Warum Woody Allens Irrational Man keinen Kinobesuch lohnt.

Es ist der typische Woody Allen-Plot: Ein reifer Mann in einer Krise denkt über das Leben nach und verliebt sich in eine junge Frau. In Irrational Man ist der reife Mann ein saufender Philosophie-Professor und die junge Frau seine Studentin. Angereichert wird diese Altherrenfantasie mit der üblichen trockenen Lakonie und ein bisschen Namedropping bekannter Denker: von Kant bis Kierkegaard wird jeder mal zitiert, der etwas über Ethik geschrieben hat. Joaquin Phoenix mit seiner Wampe und eine wie immer hinreißende Emma Stone mit ihren allumfassenden Augen füllen das altbekannte Grundgerüst mit Leben; der lässige Jazz-Sound von „The In-Crowd“ sorgt für eine leichtfüßige Stimmung. So weit, so gut.

Doch dann kommt ein weit hergeholter Mordplot hinzu und seine allzu bemühte Aufklärung. Was eigentlich Spannung in den Film bringen sollte, lässt ihn auf der Stelle treten, der moralphilosophische Diskurs drumherum wirkt aufgesetzt und banal, das Niveau flacht ab und Langeweile setzt ein. Das erinnert leider zu sehr an durchwachsene Werke wie Scoop und wurde in den Glanzstücken Match Point und Cassandra’s Dream überzeugender und packender verhandelt. Naja, vielleicht klappt’s ja im nächsten Jahr besser.

Woody ohne Plan

Woody goes Amazon (Bild: Fragmenteum)

Woody goes Amazon (Bild: Fragmenteum)

Soso, Woody Allen macht also eine Serie für Amazon. Eine Idee soll er nach eigenen Angaben noch keine haben. Aber so ganz glauben können wir ihm das nicht. Der Mann, der jedes Jahr einen Film raushaut und nebenbei noch Witze, Storys und weiß der Geier was sonst noch schreibt, hat bestimmt einen ganzen Wandschrank voller Ideen, wenn nicht gar fertigen Drehbüchern … Aber selbst wenn nicht: Ideenlosigkeit hat ihn noch nie davon abgebracht, trotzdem Filme zu machen. Anders sind auch die Werke der vergangenen Jahre nicht zu erklären. Ja, es braucht nicht einmal eine gute Idee, um ein paar Finanziers zu finden. Woody geht immer. Und so freut sich der kleine alte Mann ganz bestimmt diebisch darüber, dass er wieder einen Deppen gefunden hat, der ihm einen Batzen Geld und freie Hand gegeben hat, um seiner Sucht zu frönen. Na ja, soll er mal machen. Denn einfach mal die Genies machen lassen, statt sie immer nur zu gängeln, ist schließlich das Rezept, mit dem in den vergangenen Jahren die besten Serien entstanden sind. Die Studios haben das kapiert. Und Amazon versteht es, den Kunden zu geben, was sie wollen.

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