Sweet Tooth im Weltraum

Jeff Lemire: Descender

Roboter sind in der interplanetarischen Gemeinschaft des United Galactic Council Alltag. Sie verrichten einfache Aufgaben, sie haben keine Rechte, sind ähnlich wie Sklaven. Doch als eines Tages aus dem Nichts riesige Roboter auftauchen, die Menschen und Aliens auf den neun Planeten töten und dann ebenso plötzlich wieder verschwinden, beginnt eine Hetzjagd auf Roboter. Ihnen wird vorgeworfen, diese sogenannten Harvester erst hergebracht zu haben, um eine Revolution gegen ihre Herren anzuzetteln.

In all dem Trubel erwacht ein Roboter, der einem Jungen gleicht: Tim-21. Einst war er ein Gesellschafter für einen Jungen namens Andy in einer Minen-Kolonie, doch nach zehn Jahren Schlaf stellt er fest, dass alle tot sind. Nur Andy fehlt, also macht er sich auf die Suche nach ihm. Das UGC hat wiederum ein Interesse an Tim-21, weil er eine Verbindung zu den Harvestern haben soll, deshalb schickt es zwei Offiziere und seinen Erbauer los, um nach ihm zu suchen.

Die Story erinnert zuerst an den Spielberg-Film A.I. – Künstliche Intelligenz. Hier wie da geht es um einen Roboter-Jungen, der nach einem Familienmitglied sucht. Hier wie da werden Roboter gehasst und vernichtet. Bei Descender wird jedoch die Handlung in ein Star-Wars-artiges Weltraum-Szenario verlegt: Der Völkerbund zerfällt, es herrscht Chaos.

Beim zweiten Blick erinnert Descender jedoch noch stärker an Sweet Tooth, die andere lange Serie von Jeff Lemire. Folgende Elemente sind gleich:

  • ein Waisenkind
  • mit besonderen Fähigkeiten,
  • die ihm zum gejagten Außenseiter machen,
  • mit Verbindung zu einer geheimnisvollen Katastrophe,
  • ein heruntergekommener Wissenschaftler mit einem dunklen Geheimnis

So gesehen wäre Descender nichts weiter als eine Art Sweet Tooth im Weltraum, wenn nicht Jeff Lemire ein so handwerklich geschickter Erzähler wäre, der seinen Charakteren genug Raum gibt, sich zu entfalten und eine eigene Welt entwickelt, in der man sich verlieren kann. Aufgewertet wird die Serie vor allem durch die Bilder von Dustin Nguyen. Er zeichnet seine Panels, ohne sie zu tuschen und übermalt sie mit Wasserfarbe. Dadurch entsteht eine organische Stimmung, die im Gegensatz zu der meist kalten Atmosphäre der Weltraum-Welten steht.

Die Serie Descender ist in den USA gerade mit Ausgabe #32 zu Ende gegangen. Nächstes Jahr soll sie mit Ascender fortgesetzt werden.

>> Jeff Lemire/Dustin Nguyen: Descender. The Deluxe Edition Vol. 1, Image 2017. (dt. Splitter-Verlag, Bd. 1-3, insgesamt 6 Einzelbände)

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